Mittenmang

Hier können meine Kolumnen, die seit Juli 2020 jeden zweiten Mittwoch im Fehmarnschen Tageblatt erscheinen, nachgelesen werden.


29.07.2020

Moin!

Ich habe gelernt, dass man einen Satz nicht mit „Ich“ beginnen und dass man „man“ eher nicht gebrauchen sollte. Und doch mache ich dies recht häufig und gern; auch einen Satz mit „Und“ zu beginnen war in den Augen meiner Deutschlehrerin kein guter Stil. Zudem mag ich den Gebrauch des Semikolons; es kommt einfach zu selten vor.

Als ich noch als Wissenschaftler an der Uni Kiel Handschriften um 1800 ediert habe, lernte ich einiges an Varianten und, ich sage mal, den lockeren Umgang mit Schreibweisen kennen. Die SchreiberInnen konnte ich gut an der Handschrift unterscheiden, aber es wurde auch viel abgeschrieben. Anhand der Schreibung von Wörtern und des Gebrauchs von Satzzeichen, konnte ich gut den Urheber bestimmen. Es war nicht immer leicht zu bestimmen, ob Wörter falsch geschrieben wurden oder ob es einfach eine der Eigenarten der VerfasserInnen war. Die Vereinheitlichung der Schreibung begann ja erst zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Ich mag noch immer den Gebrauch von „mogte“ für „mochte“. Das liegt auch daran, dass meine Tochter als Kleinkind gern „mogte“ gebrauchte. Das war wohl einige Zeit auch Mode, denn so ist in dem „Wochenblatt über die Richtigkeit des deutschen Ausdrucks“ (Jahrgang 1802) zu lesen: „Es giebt viel sonderbare Menschen in der Welt, welche sich selbst über gewisse Erfindungen, auf die ein Kind eben so gut verfallen könnte, heimlich und öffentlich Beifall zuklatschen, und dann am Ende doch wohl – gänzlich Unrecht haben. So geht es denen, welche ‚mogte, ‚mögte‘ und ‚gemogt‘ schreiben, und sich hoch über diejenigen hinausdünken, die bei dem längst eingeführten und lange allgemein gebräuchlich gewesenen ‚mochte‘, ‚möchte‘ und ‚gemocht‘ bleiben.“

Sprache und deren Schreibung ist steter Veränderung unterworfen, ob nun bewusst gesteuert oder sich frei entwickelnd. Ich bin daher sprachlichen Veränderungen, ob nun in der Jugendsprache oder der starke Einfluss von Begriffen durch Internet und Digitalisierung, aufgeschlossen. Und ich freue mich sehr, wenn meiner Tochter noch vereinzelnd ein „mogte“ herausrutscht.

Euer Patrick Weiland